2. STATEMENT

Mirjam Spoolder
Order-Diss-Order

Die pinke Wand steht unter dem Motto «Fashionable Art». Gezeigt werden Stücke aus der siebenteiligen Serie Order-Diss-Order, die in Zusammenarbeit mit dem Sprayer Benuz Guerrero entstand und 2015 in Basel als Performance aufgeführt wurde. Die Bildende Künstlerin Mirjam Spoolder arbeitet an der Schnittstelle zwischen Design, Mode und Skulptur.

Order-Diss-Order
Es gibt einzelne Kunstsparten wie Modedesign, Performance oder Skulptur und es gibt Künstlerinnen wie Mirjam Spoolder, die all diese Disziplinen in einem Werk vereinen.
Das aufwendig konzipierte künstlerische Projekt Order-Diss-Order entstand während einer Performance vor dem Ausstellungsraum Klingental in Basel. Unter der Anleitung von Mirjam Spoolder liessen sieben Frauen die von ihnen getragenen weissen Kleider von dem Sprayer Benuz Guerrero besprühen. Mit einer Schutzbrille und einem Mundschutz sich auf einem drehenden Podest bewegend, wurden je nach Körperhaltung des Models und der Sprühdosenführung individuell ausgeführte Zeichnungen aus abstrakten schwarzen und dunkelroten Linien realisiert. Die Unschuld von Weiss wurde durch die farblichen Markierungen vernichtet, die sonst in der Modewelt für Probeschnitte angewendeten Baumwollstoffe blieben nach der Aktion als künstlerische Ausstellungsrelikte erhalten.
Mirjam Spoolder hinterfragt in ihrer künstlerischen Arbeit stets die kulturpolitische Dimension von Mode. 2014/2015 gewann sie ein Atelierstipendium in Delhi, wo sie für sechs Monate in die indische Kultur eintauchte. Die immer noch sichtbare gesellschaftliche hierarchische Ordnung durch das Kastensystem und das gleichzeitig lebendige Chaos des Alltag bildeten erfahrbare Gegensätze, die sie in ihrem künstlerischem Konzept aufgreift. Auch die gesellschaftlichen Einordnungen mit Hilfe von markierten Kleidern, wie es die traditionellen Saris veranschaulichen, spielen für ihre künstlerisch-kulturelle Auseinandersetzung eine bedeutende Rolle. Die Wahl der Farbe des Kleides erzählt in Form des meterlangen umhüllenden Stoffes in einer öffentlich verständlichen Sprache von dem gesellschaftlichen Stand der Frau.
Spoolder durchforschte in ihren früheren Arbeiten auch kulturelle Bräuche und Riten anderer Kulturen, um sich essenziellen Themen wie Geburt, Heirat oder Tod zu nähern. Neben diesen traditionellen Überlieferungen sind auch Kunstschaffende wie Alexander McQueen, die den starren Modebegriff mit nicht konformen ‹visuellen Brüchen› aufgelöst haben, als ästhetische Referenz erkennbar. Denn Mirjam Spoolder verfolgt keine ‹Kunst› und keine ‹Mode› an sich, vielmehr bezeichnet sie ihre Arbeit als fashionable Art. Das sich nicht definieren, sondern viel eher Schnittstellen aufspüren zu wollen, ist sicherlich auch auf ihren kunstübergreifenden Ausbildungsweg zurückzuführen. Sie verfolgte Studien der Bildhauerei und des Stagemanagements in einem Theater, bevor sie schliesslich den Masterstudiengang mit Schwerpunkt Performance absolvierte. Werkübergreifend ordnet Mirjam Spoolder die Ordnung neu, um sie ungeordnet zurückzulassen. So bleiben die in den Ausstellungen gezeigten bemalten Stoffe von Spoolder nicht nur Kleidungsstücke, vielmehr besitzen sie einen skulpturalen Charakter und sind dennoch durch ihre bewusst konzipierte Wandelbarkeit in unterschiedlichsten Varianten tragbar. Collage Mirjam Spoolder spürt mit ihren gewobenen Bildern kulturelle Schnittstellen zwischen Mode und Kunst auf. Schon seit Jahren spielen die manuell ausgeführte Collagetechnik und die Auseinandersetzung mit Modemagazinen bedeutende Rollen für ihre Arbeit. In dieser Serie fügt die bildende Künstlerin zwei identische Modebilder zu einer kaum identifizierbaren neuen Bildkomposition zusammen, indem sie diese in dünne Papierstreifen schneidet. Die sonst immer wahrnehmbare Perfektion der Modewelt wird hier nicht nur abstrahiert, sondern viel mehr durch die alte handwerkliche Textiltechnik bewusst dekonstruiert. Die durch das Verweben der Bildstreifen entstehenden Quadrate erinnern den Betrachter an die Pixel der frühen Digitalwelt und entlarven den Einsatz der digitalen Manipulation in der Modewelt.

 

Ana Vujic
Basel, 2017

Weitere Informationen: mirjamspoolder.blogspot.ch/

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